Hämochromatose, auch Eisenspeicherkrankheit genannt, ist eine Erkrankung, bei der der Körper zu viel Eisen aus der Nahrung aufnimmt. Das überschüssige Eisen wird nicht ausgeschieden, sondern in Organen und Geweben gespeichert.
Diese Ablagerung kann über Jahre hinweg unbemerkt bleiben. Mit der Zeit entstehen jedoch Schäden, vor allem an Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse und Gelenken.

Warum Eisen für den Körper wichtig ist
Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Bildung von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, der Sauerstoff durch den Körper transportiert.
Ohne ausreichend Eisen können Zellen nicht richtig mit Sauerstoff versorgt werden. Das führt zu Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsproblemen.
Eisen in der täglichen Ernährung
Eisen kommt in vielen Lebensmitteln vor. Besonders reich an Eisen sind Fleisch, insbesondere rotes Fleisch und Innereien.
Auch pflanzliche Lebensmittel enthalten Eisen. Dazu gehören Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte und grünes Blattgemüse wie Spinat oder Grünkohl.
Wenn zu viel Eisen zum Problem wird
Bei gesunden Menschen reguliert der Körper die Eisenaufnahme sehr genau. Überschüssiges Eisen wird normalerweise nicht aufgenommen.
Bei Hämochromatose ist diese Regulation gestört. Der Darm nimmt dauerhaft mehr Eisen auf, als der Körper benötigt.
Speicherung statt Ausscheidung
Das überschüssige Eisen wird im Körper gespeichert. Besonders betroffen sind die Leber, die Gelenke, das Herz und die Bauchspeicheldrüse.
Diese Speicherung verursacht langfristig Schäden. Je länger die Erkrankung unentdeckt bleibt, desto größer ist das Risiko für Folgeschäden.
Zwei Formen der Hämochromatose
Es gibt zwei Hauptformen der Hämochromatose. Die häufigste ist die erbliche, auch primäre Hämochromatose genannt.
Die zweite Form ist die sekundäre Hämochromatose. Sie entsteht als Folge anderer Erkrankungen oder medizinischer Behandlungen.
Die erbliche Hämochromatose
Die primäre Hämochromatose ist genetisch bedingt. Sie wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben.
Betroffene besitzen zwei veränderte Gene, die die Eisenaufnahme im Darm beeinflussen. Dadurch nimmt der Körper lebenslang zu viel Eisen auf.
Beginn schon bei der Geburt
Die Eisenüberladung beginnt bereits ab der Geburt. Symptome treten jedoch meist erst im Erwachsenenalter auf.
In der Wachstumsphase benötigt der Körper mehr Eisen. Erst später wird der Überschuss problematisch.
Träger ohne Symptome
Menschen mit nur einem veränderten Gen gelten als Träger. Sie entwickeln in der Regel keine Erkrankung.
Erst wenn beide Gene betroffen sind, kann es zur primären Hämochromatose kommen. Dennoch entwickelt nicht jeder Betroffene Beschwerden.
Einfluss von Lebensstil und Umwelt
Warum manche Menschen Symptome entwickeln und andere nicht, ist noch nicht vollständig geklärt.
Faktoren wie Alkoholkonsum, Ernährung, andere Erkrankungen oder hormonelle Einflüsse könnten eine Rolle spielen.
Die sekundäre Hämochromatose
Die sekundäre Form entsteht infolge anderer Krankheiten. Häufig sind Blut- oder Knochenmarkserkrankungen die Ursache.
Auch chronische Lebererkrankungen können eine Eisenüberladung begünstigen. Diese Form ist deutlich seltener als die erbliche Variante.
Schwierige Erkennung der Erkrankung
Die Diagnose Hämochromatose ist oft schwierig. Die Symptome sind unspezifisch und kommen auch bei vielen anderen Krankheiten vor.
Deshalb bleibt die Erkrankung häufig lange unentdeckt. Viele Betroffene haben jahrelang Beschwerden ohne klare Ursache.
Häufige Symptome im Überblick
Typische Beschwerden sind chronische Müdigkeit und Erschöpfung. Auch Gelenkschmerzen treten häufig auf.
Zusätzlich können Bauchschmerzen, Durchfall oder hormonelle Störungen auftreten. Viele Betroffene berichten über einen verminderten Sexualtrieb.
Veränderungen der Haut
Ein weiteres mögliches Zeichen ist eine gelblich-braune Verfärbung der Haut. Diese sogenannte Hyperpigmentierung entsteht durch Eisenablagerungen.
Die Hautveränderung tritt meist erst in späteren Stadien der Erkrankung auf.
Leber und Stoffwechsel betroffen
Die Leber ist besonders anfällig für Eisenspeicherung. Leberwerte können erhöht sein, ohne dass sofort Beschwerden auftreten.
Im weiteren Verlauf kann es zu Lebervergrößerung, Fibrose oder sogar Leberzirrhose kommen.
Verwechslungsgefahr mit anderen Krankheiten
Viele Symptome ähneln anderen Erkrankungen. Dazu gehören Eisenmangel, Wechseljahre, Rheuma, Herzprobleme oder Magen-Darm-Infekte.
Auch Diabetes kann im Zusammenhang mit Hämochromatose auftreten, was die Diagnose zusätzlich erschwert.
Wie die Diagnose gestellt wird
Wenn der Verdacht besteht, erfolgt die Diagnose durch eine Blutuntersuchung. Dabei werden verschiedene Eisenwerte gemessen.
Besonders wichtig sind der Ferritinwert und die Transferrinsättigung.
Bedeutung der Blutwerte
Ferritin zeigt an, wie viel Eisen im Körper gespeichert ist. Eine erhöhte Transferrinsättigung weist auf eine Überladung hin.
Ab bestimmten Grenzwerten besteht der Verdacht auf Hämochromatose und weitere Untersuchungen sind notwendig.
Genetische Tests zur Bestätigung
Zur sicheren Diagnose wird meist ein Gentest durchgeführt. Er zeigt, ob die typischen Genveränderungen vorliegen.
So kann zwischen primärer und sekundärer Hämochromatose unterschieden werden.
Bildgebende Verfahren und Leberuntersuchung
In manchen Fällen werden Ultraschall, MRT oder spezielle Scans eingesetzt. Sie zeigen, ob Organe bereits geschädigt sind.
Eine Leberbiopsie ist heute nur noch selten notwendig und wird meist durch bildgebende Verfahren ersetzt.
Risikofaktoren im Überblick
Da die Erkrankung erblich ist, gibt es keine klassischen Risikogruppen im Alltag.
Mit zunehmendem Alter steigt jedoch das Risiko für Beschwerden, da sich immer mehr Eisen im Körper ansammelt.
Mögliche Folgeerkrankungen
Je nach betroffenem Organ können schwere Komplikationen entstehen. Eisen im Herzen kann zu Herzschwäche führen.
Eine Beteiligung der Bauchspeicheldrüse kann Diabetes auslösen. Auch Gelenkschäden sind häufig.
Bedeutung einer frühen Diagnose
Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Aussichten. Frühzeitige Behandlung kann Organschäden verhindern.
Deshalb ist es wichtig, bei unklaren Beschwerden auch an Hämochromatose zu denken.
Die Standardtherapie bei Hämochromatose
Die wichtigste Behandlung ist der regelmäßige Aderlass. Dabei wird dem Körper Blut entnommen.
Mit jeder Blutabnahme verliert der Körper Eisen, das in den roten Blutkörperchen enthalten ist.
Wirkung des Aderlasses
Nach der Blutentnahme bildet der Körper neue rote Blutkörperchen. Dafür nutzt er gespeichertes Eisen.
So werden die Eisenreserven schrittweise reduziert. Die Therapie ist effektiv und bewährt.
Intensivphase und Erhaltungsphase
Zu Beginn erfolgt der Aderlass meist wöchentlich. Die Blutwerte werden dabei regelmäßig kontrolliert.
Sind die Eisenwerte normalisiert, folgt die Erhaltungsphase mit wenigen Aderlässen pro Jahr.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten
In einigen Zentren wird eine sogenannte Erythrozytapherese angeboten. Dabei werden gezielt rote Blutkörperchen entfernt.
Diese Methode ist noch nicht überall verfügbar und wird individuell entschieden.
Was Betroffene selbst tun können
Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Eisenhaltige Nahrungsergänzungsmittel sollten vermieden werden.
Der Konsum von rotem Fleisch und Innereien sollte reduziert werden.
Einfluss von Vitamin C
Vitamin C fördert die Eisenaufnahme. Deshalb ist es sinnvoll, vitaminreiche Getränke nicht direkt zu den Mahlzeiten zu trinken.
Eine Ernährungsberatung kann helfen, den Speiseplan anzupassen.
Leben mit der Diagnose
Mit konsequenter Behandlung ist die Prognose meist gut. Viele Menschen können ein normales Leben führen.
Bestehende Schäden wie Diabetes oder Gelenkprobleme können jedoch bestehen bleiben.
Langfristige Aussichten
Hautveränderungen bilden sich oft zurück. Müdigkeit verbessert sich häufig langsamer als andere Symptome.
Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um Rückfälle zu vermeiden.
Fazit zur Hämochromatose
Hämochromatose ist eine ernstzunehmende, aber gut behandelbare Erkrankung. Entscheidend ist die rechtzeitige Diagnose.
Mit medizinischer Betreuung und Anpassungen im Alltag lassen sich schwere Folgen meist verhindern.
Einladung zur Diskussion
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