Brustkrebs betrifft viele Frauen. Etwa jede siebte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Diese Zahl zeigt, wie wichtig Aufmerksamkeit, Wissen und frühes Handeln sind.
Chirurgin Hester Oldenburg kennt Brustkrebs aus zwei Perspektiven. Sie hat tausende Frauen operiert. Gleichzeitig war sie selbst zweimal Patientin mit dieser Diagnose.

Eine Ärztin wird selbst Patientin
Im Jahr 2007 erhielt Hester Oldenburg selbst die Diagnose Brustkrebs. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits eine erfahrene Brustkrebschirurgin mit jahrelanger Praxis.
Ironischerweise erschien im selben Jahr ihr Fachbuch über Brustkrebs. Dieses Buch galt lange als Standardwerk für Betroffene und Fachleute gleichermaßen.
Die Diagnose traf sie dennoch hart. Trotz ihres Wissens erlebte sie Angst, Unsicherheit und körperliche Schwäche wie jede andere Patientin.
Wissen schützt nicht vor Angst
Oldenburg beschreibt, dass medizinisches Wissen nicht vor emotionalen Reaktionen schützt. Auch Ärztinnen verlieren in solchen Momenten die professionelle Distanz.
Die Wartezeit auf Untersuchungsergebnisse empfand sie als besonders belastend. Was für Ärztinnen wenige Tage sind, fühlt sich für Patientinnen wie eine Ewigkeit an.
Diese Erfahrung veränderte ihren Blick auf ihre Patientinnen nachhaltig und dauerhaft.
Fortschritte in der Behandlung von Brustkrebs
Seit der letzten Buchausgabe im Jahr 2013 hat sich viel verändert. Früher folgte die Behandlung meist einem festen Schema.
Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und Hormontherapie waren Standard. Abweichungen gab es nur selten und in Ausnahmefällen.
Heute ist die Behandlung deutlich individueller. Ärztinnen wählen gemeinsam mit Patientinnen die passende Kombination.
Maßgeschneiderte Therapie statt Standardlösung
Die moderne Medizin versteht Brustkrebs heute besser. Man kennt verschiedene Tumorarten und deren Verhalten genauer.
Dadurch lässt sich besser einschätzen, welche Therapie sinnvoll ist und welche nicht. Manchmal ist weniger Behandlung sogar besser.
In anderen Fällen braucht es mehr Maßnahmen als ursprünglich empfohlen. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.
Die Rolle der Patientin wird stärker
Früher bestimmten Leitlinien den Weg. Ärztinnen gaben klare Empfehlungen, die meist nicht hinterfragt wurden.
Heute steht das Gespräch im Mittelpunkt. Patientinnen werden gefragt, was ihnen wichtig ist und was ihr Leben lebenswert macht.
Beruf, Hobbys und persönliche Werte fließen stärker in die Entscheidung ein.
Wenn Therapie das Leben verändert
Manche Therapien haben starke Nebenwirkungen. Chemotherapie kann zum Beispiel Nervenschmerzen verursachen.
Für Menschen mit handwerklichen oder kreativen Berufen kann das gravierende Folgen haben. Diese Aspekte werden heute stärker berücksichtigt.
Gemeinsam wird abgewogen, ob alternative Behandlungen möglich sind oder Risiken akzeptabel bleiben.
Schonendere Operationen als früher
Auch chirurgisch hat sich viel verändert. Eingriffe sind heute kleiner und präziser als noch vor einigen Jahren.
Wenn größere Operationen nötig sind, erfolgt oft eine direkte Rekonstruktion der Brust.
Dabei versuchen Ärztinnen, Haut und Brustwarze zu erhalten, um das Körperbild zu schützen.
Weniger Eingriffe an den Lymphknoten
Früher entfernte man bei Brustkrebs fast immer alle betroffenen Lymphknoten in der Achsel.
Das führte häufig zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Lymphödemen. Diese Folgen belasteten viele Patientinnen langfristig.
Heute wird diese Operation deutlich seltener durchgeführt.
Alternativen zur vollständigen Entfernung
Bestrahlung oder schonende Operationen können oft dieselbe Wirkung erzielen. Dadurch sinkt das Risiko für dauerhafte Beschwerden.
Insgesamt wird heute weniger operiert als früher. Medikamente und gezielte Bestrahlung übernehmen häufiger die Hauptrolle.
In bestimmten frühen Stadien ist sogar ein vollständiger Verzicht auf Operationen möglich.
Die Bedeutung der Früherkennung
Trotz aller Fortschritte bleibt die Früherkennung entscheidend. Das Mammographie-Screening rettet weiterhin Leben.
Oldenburg hält das Screening für sinnvoll, sieht aber Verbesserungsbedarf.
Ein persönliches Risikoprofil könnte die Untersuchungen gezielter und effektiver machen.
Individuelles Risiko statt Einheitsprogramm
Nicht jede Frau hat dasselbe Risiko. Faktoren wie Brustgewebsdichte, genetische Veranlagung und Lebensstil spielen eine Rolle.
Künftig könnten diese Informationen bestimmen, wie oft und wie intensiv untersucht wird.
So ließen sich Überdiagnosen und unnötige Behandlungen reduzieren.
Die Folgen der Corona-Pandemie
Während der Corona-Zeit wurden deutlich weniger Frauen untersucht. Viele Vorsorgetermine fielen aus oder wurden verschoben.
Auch Hausärzte überwiesen weniger Patientinnen an Fachärzte. Zusätzlich verlängerten sich die Screening-Intervalle für ältere Frauen.
Diese Entwicklung bereitet vielen Fachleuten große Sorgen.
Spätere Diagnosen haben Folgen
Wenn Krebs später entdeckt wird, sind die Behandlungen oft intensiver und belastender.
In manchen Fällen sinken sogar die Heilungschancen deutlich.
Oldenburg rät deshalb dringend, bei Auffälligkeiten nicht zu warten.
Hören Sie auf Ihren Körper
Veränderungen in der Brust sollten ernst genommen werden. Knoten, Schmerzen oder Hautveränderungen verdienen Aufmerksamkeit.
Der Gang zur Hausärztin oder zum Hausarzt sollte nicht aufgeschoben werden.
Frühes Handeln kann entscheidend sein.
Überdiagnosen und ihre Schattenseiten
Durch Screening werden auch sehr frühe Vorstufen entdeckt. Eine davon heißt DCIS.
Dabei handelt es sich um veränderte Zellen, die sich nur selten zu invasivem Krebs entwickeln.
Das Risiko liegt bei etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr.
Schwierige Entscheidungen bei DCIS
Da nicht vorhersehbar ist, welche Fälle harmlos bleiben, werden viele DCIS-Diagnosen dennoch behandelt.
Operationen und Bestrahlung sind häufig die Folge, obwohl sie vielleicht nicht nötig wären.
Die Forschung arbeitet daran, diese Entscheidungen besser abzusichern.
Hoffnung auf weniger unnötige Behandlungen
Mit mehr Wissen über die Entwicklung von DCIS könnte man gezielter vorgehen.
Das Ziel ist, nur jene Patientinnen zu behandeln, die wirklich ein Risiko tragen.
So ließen sich viele unnötige Eingriffe vermeiden.
Neue Therapien am Horizont
Eine der spannendsten Entwicklungen ist die Immuntherapie.
Diese Medikamente aktivieren das eigene Immunsystem, um Krebszellen gezielt anzugreifen.
Für Brustkrebs befinden sich solche Therapien noch in der Forschung.
Lebensstil rückt stärker in den Fokus
Neben Medikamenten gewinnt der Lebensstil an Bedeutung.
Übergewicht nach den Wechseljahren erhöht das Brustkrebsrisiko deutlich.
Auch Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum spielen eine Rolle.
Verantwortung vor, während und nach der Therapie
Ein gesunder Lebensstil kann nicht nur vorbeugen, sondern auch die Prognose verbessern.
Bewegung, Ernährung und Rauchverzicht sollten Teil der Betreuung sein.
Hier sieht Oldenburg noch großen Handlungsbedarf.
Zweimal erkrankt, anders geworden
Hester Oldenburg erkrankte 2007 und erneut 2013 an Brustkrebs.
Diese Erfahrungen veränderten sie tiefgreifend, persönlich wie beruflich.
Sie versteht heute besser, wie hilflos und verletzlich sich Patientinnen fühlen.
Wenn die Ärztin selbst Angst hat
Nach einer brusterhaltenden Operation erhielt sie Bestrahlung.
Was sie zunächst unterschätzte, löste starke Panik aus.
Unter dem Bestrahlungsgerät fühlte sie sich ausgeliefert und beschädigt.
Unterstützung macht den Unterschied
Kollegen nahmen sich Zeit für Gespräche. Sie halfen ihr, die Behandlung fortzusetzen.
Diese Erfahrung prägt ihren Umgang mit Patientinnen bis heute.
Einfühlungsvermögen ist für sie ebenso wichtig wie medizinische Kompetenz.
Zurück in den Alltag ist nicht leicht
Nach der ersten Erkrankung kehrte sie schnell zur Arbeit zurück.
Erst dort realisierte sie das Erlebte vollständig. Die emotionale Belastung war enorm.
Viele Patientengeschichten spiegelten plötzlich ihre eigene Geschichte wider.
Der Weg zurück zur eigenen Rolle
Oldenburg nahm sich eine längere Auszeit und suchte psychologische Hilfe.
Sie erkannte, dass sie zuerst wieder Mensch sein musste, bevor sie Ärztin sein konnte.
Diese Erkenntnis gibt sie heute an andere weiter.
Eine klare Botschaft an alle Frauen
Brustkrebs ist behandelbar, besonders wenn er früh erkannt wird.
Wissen, Aufmerksamkeit und Vertrauen in den eigenen Körper sind entscheidend.
Zögern kann wertvolle Zeit kosten.
Ein Appell zum Schluss
Wenn Sie etwas Ungewöhnliches an Ihrer Brust bemerken, warten Sie nicht.
Suchen Sie ärztlichen Rat und nehmen Sie Ihre Sorgen ernst.
Frühes Handeln kann Leben retten.
Am Ende dieses Artikels laden wir Sie herzlich ein, Ihre Meinung oder Gedanken zu diesem Thema in einer Reaktion auf Facebook zu hinterlassen und die Diskussion fortzuführen.

