Die AfD steht vor einem entscheidenden Jahr. 2026 finden mehrere Landtagswahlen statt, und die Partei rechnet sich reale Machtchancen aus. Besonders im Osten wächst das Selbstbewusstsein spürbar.
In einigen Bundesländern liegen die Umfragewerte deutlich über dreißig Prozent. In Sachsen-Anhalt werden sogar Werte um vierzig Prozent genannt. Das nährt Hoffnungen auf echte Regierungsverantwortung.
Doch mit den steigenden Chancen wächst auch die Nervosität. Denn Wahlerfolge sind das eine, tatsächliches Regieren etwas völlig anderes.

Die Angst vor dem Ernstfall
Hinter verschlossenen Türen wird offen über Risiken gesprochen. Mehrere Parteifunktionäre geben zu, dass ein Sieg auch zur Belastung werden könnte. Regieren will gelernt sein.
Viele in der Partei verfügen über wenig oder keine Verwaltungserfahrung. Ministerien zu führen, Gesetze umzusetzen und Behörden zu steuern, ist komplex und fehleranfällig.
Die Sorge ist groß, dass ein schneller Machtgewinn in politischer Enttäuschung endet. Ein misslungener Start könnte langfristig Schaden anrichten.
Sachsen-Anhalt im Fokus
Besonders Sachsen-Anhalt gilt als möglicher Testfall. Dort tritt Ulrich Siegmund als Spitzenkandidat an und spricht offen von einer absoluten Mehrheit.
Ein solcher Erfolg wäre historisch. Gleichzeitig wäre er ein Stresstest für die gesamte Partei. Ein Bundesland als politisches Experiment birgt hohe Risiken.
Scheitert die AfD dort im Regierungshandwerk, könnte das bundesweit negative Folgen haben. Auch mit Blick auf die Bundestagswahl nach 2029.
Vom Protest zur Verantwortung
Die AfD ist lange als Protestpartei gewachsen. Klare Botschaften, scharfe Opposition und medienwirksame Auftritte gehörten zum Erfolgsrezept.
Regierungsarbeit verlangt jedoch Kompromisse, Sachkenntnis und Geduld. Genau hier sehen Parteistrategen die größte Schwachstelle.
Der Schritt vom Ankläger zum Gestalter ist groß. Viele Wähler würden eine AfD-Regierung besonders kritisch beobachten.
Interne Zweifel trotz öffentlicher Stärke
Nach außen gibt sich die Parteiführung selbstsicher. Intern dominieren jedoch andere Töne. In Sitzungen des Bundesvorstands wird offen über Überforderung gesprochen.
Ein ranghohes Mitglied räumt ein, dass die Personaldecke dünn sei. Es gebe viele engagierte Politiker, aber kaum erfahrene Verwaltungsfachleute.
Das Risiko einer politischen Selbstentzauberung wird ernst genommen. Genau hier setzt eine neue Strategie an.
Gründung einer internen Taskforce
Um vorbereitet zu sein, hat die Parteispitze eine neue interne Einheit ins Leben gerufen. Sie trägt den Namen Arbeitsgruppe Regierungsbeteiligung.
Der Name klingt technisch, doch die Bedeutung ist hochpolitisch. Ziel ist es, die Partei auf mögliche Regierungsverantwortung vorzubereiten.
Die Entscheidung wurde von den Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla im Bundesvorstand durchgesetzt.
Zwei neue Vollzeitstellen
Kern der neuen Arbeitsgruppe sind zwei neu geschaffene Vollzeitstellen. Eine davon soll mit einem Volljuristen besetzt werden.
Die Arbeitsgruppe ist im Stabsbereich für Grundsatz, Strategie und Programmatik angesiedelt. Sie arbeitet direkt der Parteiführung zu.
Die jährlichen Kosten belaufen sich auf rund 185.000 Euro. Das Geld stammt aus Parteimitteln.
Was die Taskforce leisten soll
Die neue Einheit soll Szenarien für Regierungsbeteiligungen entwickeln. Dabei geht es um Koalitionsfragen, Ministeriumsaufbau und rechtliche Abläufe.
Auch interne Schulungen und Konzepte für Verwaltungspraxis stehen im Fokus. Ziel ist es, Fehler im Ernstfall zu vermeiden.
Die Partei will nicht unvorbereitet in Regierungsverantwortung stolpern. Planung soll Unsicherheit ersetzen.
Lehren aus anderen Parteien
Intern wird auch auf Beispiele anderer Parteien verwiesen. Mehrfach haben politische Neulinge Schwierigkeiten beim Regieren gehabt.
Gerade Parteien mit starkem Oppositionsprofil wurden nach Wahlsiegen schnell entzaubert. Die AfD will dieses Schicksal vermeiden.
Deshalb setzt man nun auf Struktur, Vorbereitung und Fachwissen. Ein ungewöhnlicher Schritt für eine Partei, die lange vom Anti-Establishment lebte.
Strategischer Blick auf 2029
Die Vorbereitungen haben auch einen langfristigen Hintergrund. Die Bundestagswahl spätestens 2029 ist bereits fest im Blick.
Ein erfolgreicher Regierungseintritt auf Landesebene könnte als Beweis der Regierungsfähigkeit dienen. Ein Scheitern hingegen wäre fatal.
Die neue Taskforce soll helfen, diesen Balanceakt zu bestehen. Erfolg im Osten soll nicht zur bundesweiten Belastung werden.
Öffentliche Kritik und interne Rechtfertigung
Kritiker werfen der AfD vor, heimlich an der Macht zu arbeiten, während sie öffentlich den Systembruch propagiert. Der Begriff geheime Taskforce sorgt für Schlagzeilen.
Innerhalb der Partei sieht man das anders. Man spreche lediglich von professioneller Vorbereitung, wie sie jede andere Partei auch betreibe.
Die Parteiführung betont, dass Verantwortung Planung erfordere. Unvorbereitetes Regieren schade Wählern und Demokratie gleichermaßen.
Spannungen zwischen Basis und Führung
Nicht alle Mitglieder begrüßen den neuen Kurs. Teile der Basis fürchten eine Verwässerung der politischen Linie.
Andere sehen die Taskforce als notwendiges Zeichen der Reife. Eine Partei, die regieren will, müsse sich auch entsprechend aufstellen.
Dieser Konflikt zwischen Protest und Pragmatismus begleitet die AfD seit Jahren. Die neue Arbeitsgruppe verschärft ihn erneut.
Regieren als Bewährungsprobe
Sollte die AfD tatsächlich Regierungsverantwortung übernehmen, wird sie sich beweisen müssen. Worte allein werden dann nicht mehr reichen.
Verwaltung, Haushalt, Bildung und Sicherheit stellen konkrete Anforderungen. Fehler wären sichtbar und politisch teuer.
Die Taskforce ist ein Versuch, diesen Moment vorzubereiten. Ob das gelingt, bleibt offen.
Ein Schritt Richtung Normalisierung
Unabhängig von der Bewertung zeigt die Entscheidung eines deutlich. Die AfD rechnet ernsthaft mit Machtoptionen.
Das allein markiert einen Wandel. Von der reinen Oppositionspartei hin zu einer Kraft, die sich auf das Regieren vorbereitet.
Ob Wähler diesen Schritt honorieren oder misstrauisch begleiten, wird sich an den Wahlurnen zeigen.
Fazit zur neuen Strategie
Die Gründung der Arbeitsgruppe Regierungsbeteiligung ist ein strategischer Einschnitt für die AfD. Sie signalisiert Ambition, aber auch Unsicherheit.
Mit einem Budget von 185.000 Euro kauft sich die Partei Zeit, Wissen und Vorbereitung. Der Preis für Unwissen wäre womöglich höher.
2026 könnte tatsächlich zum Jahr der Wahrheit werden. Dann zeigt sich, ob Vorbereitung reicht, um politische Verantwortung zu tragen.
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