Der vierte Verhandlungstag im Prozess gegen Taleb al-Abdulmohsen begann um 9.30 Uhr in der speziell gesicherten Außenstelle des Landgerichts Magdeburg. Der Saal war erneut stark bewacht. Viele Nebenkläger, Angehörige und Beobachter verfolgten die Ereignisse still und angespannt. Die Stimmung war von Erwartungen und schweren Erinnerungen geprägt, denn der Prozess gegen den Mann, der den Magdeburger Weihnachtsmarkt erschütterte, bewegt die Stadt noch immer.
Die Tat und die Vorwürfe
Die Anklage beschreibt einen Abend, der Magdeburg dauerhaft geprägt hat. Am 20. Dezember 2024 soll der Angeklagte mit einem Mietwagen in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gefahren sein. Die Ermittlungen ergaben Bilder voller Chaos und Angst. Sechs Menschen verloren ihr Leben. Hunderte Besucher wurden verletzt oder litten unter den seelischen Folgen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Mord und vielfachen versuchten Mord vor. Insgesamt nennt die Anklageschrift 338 Versuche. Rund 180 Betroffene treten im Prozess als Nebenkläger auf. Etwa 40 Anwälte begleiten sie und versuchen, die Ereignisse juristisch greifbar zu machen.
Polizeizeugen schildern ihre Eindrücke
Am vierten Verhandlungstag standen zehn Polizeibeamte im Mittelpunkt. Sie waren am Abend des Anschlags im Einsatz. Sie schilderten, was sie sahen, hörten und taten, als sie am Tatort eintrafen. Ihre Aussagen ergaben ein ähnliches Bild. Viele beschrieben, dass der Angeklagte nach der Festnahme ruhig gewirkt habe. Diese Ruhe habe einige Beamte überrascht, weil die Lage am Markt chaotisch gewesen sei. Ein Polizist erinnerte sich besonders an die ersten Worte des Mannes. Er habe gesagt, dass man ihm etwas anhängen wolle. Dieser Satz fiel laut Aussage unmittelbar nach der Festnahme.
Verhalten des Angeklagten während der Verhandlung
Der Angeklagte nutzte auch am vierten Prozesstag sein Recht, den Zeugen Fragen zu stellen. Die Strafprozessordnung erlaubt dem Beschuldigten, selbst Stellung zu nehmen und Zeugen direkt zu befragen. Er sprach immer wieder davon, dass ein Polizist ihn nach der Festnahme geschlagen habe. Seine Fragen zielten darauf ab, diesen Vorwurf zu stützen. Mehrmals musste der Vorsitzende Richter ihn ermahnen. Er solle sachlich bleiben und sich auf das Wesentliche konzentrieren, mahnte der Richter. Mehrfach erinnerte er ihn daran, nicht abzuschweifen und die Befragung geordnet zu führen.
Ein Vater kämpft mit seiner Erinnerung
Unter den Nebenklägern befindet sich Marco G. Er ist der Vater des jüngsten Opfers André, der nur neun Jahre alt wurde. Der Vater verfolgt den Prozess mit großer Anspannung. Beim Prozessauftakt musste er zusehen, wie der Angeklagte vor allem über sein eigenes Leid sprach. Für Marco G. war dies schwer zu ertragen. Seine Worte gegenüber Journalisten machten deutlich, wie tief der Schmerz sitzt. Er sprach davon, wie schwer es sei, dem Angeklagten zuhören zu müssen. Seine Teilnahme am Prozess ist für ihn zugleich Belastung und Pflicht. Er möchte verstehen, was in jener Nacht geschah und warum sein Sohn sterben musste.
Die Nebenkläger im Gerichtssaal
Viele Nebenkläger teilen ähnliche Gefühle. Die Erzählungen der Polizisten wecken Erinnerungen, die sie seit Monaten mit sich tragen. Für manche ist der Prozess ein wichtiger Schritt. Sie wollen hören, wie die Ermittler die Tat einordneten. Andere hoffen, dass der Angeklagte eines Tages erklärt, warum er den Wagen in die Menge steuerte. Viele sitzen im Saal und suchen nach Antworten, die bisher ausblieben. Jeder Prozesstag bringt neue Eindrücke. Die Atmosphäre im Saal schwankt zwischen Anspannung und Stillstand. Einige Nebenkläger wirken erschöpft. Andere schreiben mit und notieren jedes Detail.
Die Ermittlungen und der Ablauf des Tages
Die Schilderungen der Beamten gaben auch einen Einblick in die ersten Minuten nach der Tat. Die Polizisten berichteten, wie sie die Lage überblicken mussten. Zwischen verletzten Menschen, Trümmern und Schreien suchten sie nach Anhaltspunkten. Sie beschrieben, wie sie sich dem Wagen näherten und den Fahrer überwältigten. Mehrere Beamte bestätigten, dass der Angeklagte nicht versuchte zu fliehen. Er habe sich ohne Widerstand festnehmen lassen. Diese Beobachtung wurde von mehreren Zeugen betont. Die Beamten schilderten klar, wie schnell die Situation unter Kontrolle gebracht wurde.
Der Vorsitzende Richter führt durch den Verhandlungstag
Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg leitete den vierten Verhandlungstag mit ruhiger Stimme und klaren Vorgaben. Immer wieder unterbrach er Wortwechsel zwischen dem Angeklagten und den Zeugen. Der Richter wachte sorgfältig darüber, dass der Prozess geordnet ablief. Seine Ermahnungen richteten sich mehrfach an den Angeklagten. Dabei betonte er, dass nur Fragen zugelassen seien, die für die Klärung der Tat relevant seien. Beobachter im Saal nahmen seine ruhige, aber bestimmte Art aufmerksam wahr. Gegen Ende des Tages fasste der Richter einige Aussagen zusammen und kündigte die Fortsetzung an.
Der emotionale Druck im Saal
Während der Aussagen war spürbar, wie schwer die Belastung für viele Zuhörer war. Einige Nebenkläger verließen kurz den Saal. Andere suchten Halt bei Angehörigen. Für alle, die damals auf dem Weihnachtsmarkt waren, ist das Erlebte nicht abgeschlossen. Der Prozess bringt die Erinnerungen an diese Nacht zurück. Viele Betroffene berichten seit Monaten von Schlaflosigkeit oder Rückzug. Der Prozess führt sie an Grenzen, die sie kaum beschreiben können. Trotzdem kommen sie immer wieder in den Saal, weil sie den Abschluss des Verfahrens begleiten wollen.
Das Ende des vierten Prozesstages
Am Nachmittag endete die Sitzung. Der Vorsitzende Richter unterbrach den Prozess und kündigte die Fortsetzung an. Am Mittwoch, dem 19. November, soll die Verhandlung um 9.30 Uhr weitergehen. Viele der Nebenkläger standen langsam auf, während andere noch einen Moment sitzen blieben. Der Angeklagte wurde von Beamten aus dem Saal geführt. Draußen warteten bereits Journalisten und Angehörige. Der Tag hinterließ viele Gedanken und neue Eindrücke. Der Prozess wird noch Wochen dauern. Insgesamt sind 45 Verhandlungstage angesetzt.
Ausblick auf die kommenden Wochen
In den kommenden Sitzungen sollen weitere Zeugen gehört werden. Darunter befinden sich Notärzte, weitere Polizisten und Besucher des Marktes. Der Prozess wird zeigen, wie die Ereignisse rechtlich eingeordnet werden. Viele hoffen, dass das Gericht klare Antworten liefert. Andere möchten einfach verstehen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Die nächsten Wochen werden intensiv. Jeder Tag bringt neue Aussagen und neue Erinnerungen. Doch am Ende wird das Gericht ein Urteil fällen müssen, das allen Beteiligten Gewissheit bringt.
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