Für viele Autofahrer ist der Brennerpass ein fester Bestandteil der Reise in den Süden. Die Strecke durch Tirol gilt als gut ausgebaut und landschaftlich beeindruckend. Doch genau hier wurde für Tausende Urlauber der Traum zur Kostenfalle.
Wer nichtsahnend durch die Alpen fuhr, erhielt Wochen später unangenehme Post. Nicht eine, sondern teils mehrere Strafzettel landeten im Briefkasten. Der Grund liegt in einer außergewöhnlichen Serie von Radarkontrollen.
Innerhalb von nur anderthalb Jahren wurden auf der Brennerautobahn unglaubliche 177.000 Geschwindigkeitsverstöße registriert. Ein Rekord, der weit über die Grenzen Österreichs hinaus für Diskussionen sorgt.

Baustellen als Auslöser für den Bußgeldrekord
Der Ursprung des Problems lag bei umfangreichen Bauarbeiten an der Schönberggalerie. Während dieser Arbeiten wurde die erlaubte Höchstgeschwindigkeit drastisch reduziert. Teilweise galt Tempo 60, stellenweise sogar nur Tempo 40.
Viele Autofahrer übersahen die Schilder oder unterschätzten die strengen Kontrollen. Besonders Urlauber, die die Strecke nicht regelmäßig fahren, tappten in diese Falle.
Moderne Blitzer überwachten die Einhaltung konsequent. Das Ergebnis war eine wahre Flut an Bußgeldern, wie sie selbst erfahrene Verkehrsexperten selten gesehen haben.
Der Brenner bleibt ein lukrativer Standort
Auch nach Abschluss der Bauarbeiten ist der Geldregen nicht versiegt. In der Region Tirol stehen weitere fest installierte Radargeräte, die zuverlässig für Einnahmen sorgen.
Besonders bekannt ist eine Messstelle im Ort Mieming bei Fronhausen. Dort gilt Tempo 50. Monat für Monat werden dort rund 10.000 Autofahrer geblitzt.
Viele Reisende beschleunigen an dieser Stelle leicht, um die Steigung Richtung Fernpass zu meistern. Genau dieser Moment reicht aus, um in die Radarfalle zu geraten.
Touristen besonders häufig betroffen
Auffällig ist, dass vor allem ausländische Kennzeichen auf den Fotos landen. Urlauber kennen die lokalen Tempolimits oft nicht genau oder rechnen nicht mit so strenger Überwachung.
Hinzu kommt der Reisestress. Nach Stunden im Auto sinkt die Aufmerksamkeit. Kleine Tempoüberschreitungen summieren sich schnell zu kostspieligen Folgen.
Für die Tiroler Staatskasse ist das eine sichere Einnahmequelle. Für viele Urlauber dagegen ein teures Souvenir.
Warum nicht alle Bußgelder bezahlt werden
Trotz der enormen Anzahl an Verstößen landet längst nicht jedes Bußgeld auf dem Konto der österreichischen Behörden. Besonders in Deutschland haben viele Autofahrer eine Lücke im System entdeckt.
Der entscheidende Unterschied liegt im Haftungsprinzip. In Deutschland gilt die Fahrerhaftung. Das bedeutet, die Behörden müssen nachweisen, wer tatsächlich gefahren ist.
Genau hier beginnt das Problem für Österreich. Viele Blitzer auf dem Brenner fotografieren von hinten, um auch Motorräder erfassen zu können.
Wenn der Fahrer nicht erkennbar ist
Auf den Fotos ist oft nur das Kennzeichen zu sehen, nicht jedoch das Gesicht des Fahrers. Damit fehlt der Beweis, wer zum Tatzeitpunkt am Steuer saß.
Deutsche Autofahrer machen sich dies zunutze. Sie fordern das Beweisfoto an und erklären anschließend, nicht gefahren zu sein.
Da kein Gesicht erkennbar ist, geraten die österreichischen Behörden in Beweisnot. In vielen Fällen wird das Verfahren eingestellt.
Anwälte nutzen die rechtliche Grauzone
Auch deutsche Anwälte haben diese Schwachstelle erkannt. Sie beraten ihre Mandanten gezielt, wie sie auf Bußgeldbescheide reagieren sollen.
Das Vorgehen ist simpel. Ohne klaren Fahrernachweis gibt es in Deutschland keine Grundlage für eine Strafe.
Zahlen zeigen, dass auf diese Weise Zehntausende Bußgelder nie bezahlt werden. Für Österreich bedeutet das erhebliche Einnahmeverluste.
Für Niederländer gelten andere Regeln
Für Autofahrer aus den Niederlanden sieht die Situation deutlich schlechter aus. Dort gilt, wie auch in Österreich, die Halterhaftung.
Das bedeutet, der Fahrzeughalter ist verantwortlich, unabhängig davon, wer gefahren ist. Die niederländische Behörde treibt das Geld zuverlässig ein.
Ein Einspruch mit dem Argument „Ich war es nicht“ hat dort kaum Erfolg. Für niederländische Urlauber ist der Spielraum daher stark begrenzt.
Die Grenze von 70 Euro als Hoffnungsschimmer
Es gibt jedoch einen kleinen Hoffnungsschimmer, auch für Fahrer aus Ländern mit Halterhaftung. Dabei geht es um die Höhe des Bußgeldes.
Die Tiroler Behörden geben offen zu, dass die internationale Eintreibung teuer und aufwendig ist. Verwaltung, Übersetzung und rechtliche Prüfungen kosten Zeit und Geld.
Deshalb werden Bußgelder unter 70 Euro häufig gar nicht erst ins Ausland verschickt. Der Aufwand lohnt sich schlicht nicht.
Wann diese Grenze erreicht wird
Ein Betrag von 70 Euro wird in Tirol etwa ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung von rund 25 Kilometern pro Stunde erreicht.
Wer darunter bleibt, hat eine gewisse Chance, dass keine Post aus Österreich kommt. Garantiert ist das jedoch nicht.
Es handelt sich um eine Abwägung der Behörden, keine feste Regel. Manche Bescheide werden dennoch verschickt.
Ein riskantes Spiel für Autofahrer
Wer bewusst auf diese Grenze spekuliert, geht ein Risiko ein. Die Regelung kann sich jederzeit ändern.
Zudem summieren sich mehrere kleine Verstöße schnell. Dann wird der Betrag überschritten und das Bußgeld doch eingefordert.
Verkehrsexperten raten daher, sich nicht auf diese Grauzone zu verlassen, sondern die Tempolimits strikt einzuhalten.
Tirol will die Lücke schließen
Den Behörden ist das Problem längst bekannt. In Tirol arbeitet man an Lösungen, um die Einnahmeverluste zu verringern.
Eine Maßnahme ist die Digitalisierung der Bußgeldverfahren. Künftig sollen QR-Codes auf den Bescheiden die Zahlung vereinfachen.
Auch die internationale Zusammenarbeit soll verbessert werden. Ziel ist es, den bürokratischen Aufwand zu reduzieren.
Gesetzesänderungen als Schlüssel
Langfristig liegt der Ball jedoch in Wien. Solange die rechtlichen Grundlagen nicht angepasst werden, bleiben Lücken bestehen.
Besonders die Frage der Fahreridentifikation ist entscheidend. Ohne klare Beweise stoßen internationale Verfahren an ihre Grenzen.
Bis dahin werden weiterhin Tausende Autofahrer ungeschoren davonkommen.
Der Brenner als Mahnung für Urlauber
Der Bußgeldrekord am Brennerpass zeigt eindrucksvoll, wie schnell eine Urlaubsreise teuer werden kann.
Baustellen, Tempolimits und Blitzer sollten niemals unterschätzt werden, besonders im Ausland.
Wer aufmerksam fährt, spart nicht nur Geld, sondern auch Nerven.
Ein teures Andenken vermeiden
Statt Wochen nach dem Urlaub unangenehme Briefe zu öffnen, lohnt es sich, vor Ort vorsichtig zu sein.
Gerade in beliebten Urlaubsregionen wird besonders streng kontrolliert. Das gilt nicht nur für Österreich.
Der Brennerpass ist damit ein warnendes Beispiel für alle, die gerne schneller unterwegs sind.
Einladung zur Diskussion
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